„Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen

"Mythos Wald" ist das Naturerlebnis des Jahres

27.03.2026 von Marcel Sroka

Ein Spaziergang durch den Wald – mitten im Gasometer
Es fühlt sich ein wenig an wie der Beginn eines Ausflugs – nur dass der Wald nicht irgendwo außerhalb liegt, sondern mitten im Ruhrgebiet. Schon beim Ankommen am Gasometer Oberhausen wird klar: Mythos Wald“ ist kein klassischer Ausstellungsbesuch, sondern eine Reise.

Und diese Reise hat eine Vorgeschichte. Nach „Das zerbrechliche Paradies“ und „Planet Ozean“ bildet „Mythos Wald“ den Abschluss einer Trilogie. „Gemein ist allen drei Ausstellungen die ungewöhnliche Kombination aus wissenschaftlichen Fakten und künstlerischer Umsetzung“, erklärt Jeanette Schmitz, Geschäftsführerin der Gasometer GmbH. Es geht also nicht nur ums Sehen – sondern ums Verstehen und Fühlen.

Ankommen: Zwischen Zukunft und Verantwortung

Noch bevor man das Gebäude betritt, beginnt die Auseinandersetzung mit dem Thema Wald.

Der „Zukunftswald“ wirkt auf den ersten Blick unscheinbar – und entfaltet gerade dadurch seine Wirkung. Hier stehen Baumarten, die künftig mit Hitze, Trockenheit und veränderten Bedingungen zurechtkommen sollen. Es ist ein Ort, der leise Fragen stellt: Wie wird der Wald der Zukunft aussehen? Und welche Rolle spielen wir dabei? Der Zukunftswald ist ein Vorgeschmack auf die Internationale Gartenausstellung 2027 (IGA 2027), die im kommenden Jahr das gesamte Ruhrgebiet in ein riesiges Gartenfestival verwandelt.

Direkt gegenüber öffnet sich mit dem „WaldRaum“ ein ganz anderer Zugang. Hier wird Wissen vermittelt, Gespräche entstehen, Zusammenhänge werden greifbar. „Wir wollen Jugendliche sensibilisieren für die Bewahrung des Waldes“, sagt Carsten Uhlenbrock, Betriebsleiter von RVR Ruhr Grün, verantwortlich für dieses Angebot.

Man merkt schnell: Diese Ausstellung will nicht nur beeindrucken – sie will etwas auslösen.

Ein stiller Zeuge der Vergangenheit

Beim Betreten des Gasometers verlangsamt sich der Schritt fast automatisch.

Vor einem steht das gewaltige Skelett eines Riesenhirsches – rund 7.000 Jahre alt. Eine Leihgabe des Museum Koenig Bonn.

Die Dimensionen sind beeindruckend, aber es ist mehr als das: Dieses Tier steht für eine Zeit, in der die Welt eine andere war. Und plötzlich wird klar, wie lange der Wald die Menschheit schon begleitet. Prof. Dr. Marie Elisabeth Herberstein (Museum Koenig Bonn): „Den Riesenhirsch vermissen wir natürlich sehr. Er ist aber hier im Gasometer schon gut aufgehoben.“

Erdgeschoss: Der Wald im Detail

Im Erdgeschoss entfaltet sich die Vielfalt des (heimischen) Waldes – und sie überrascht.

Großformatige Fotografien zeigen Tiere und Pflanzen in Momenten, die man sonst kaum wahrnimmt:
Ein Eichhörnchen im Sprung, eingefroren in der Bewegung. Waschbären, die sich eng aneinander in einem Baumstumpf drängen. Die durchdringenden Augen einer Waldeule, die einen direkt anzublicken scheinen.

Dazwischen wissenschaftliche Perspektiven: ein Querschnitt durch den Waldboden, der sichtbar macht, was sonst verborgen bleibt.

Auch Präparate – Wölfe, Bären, Vögel und kleine Nagetiere – lassen den Wald greifbar werden.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, wie wunderschön Schleimpilze sein können“, sagt Jeanette Schmitz. Genau dieses Staunen zieht sich durch den gesamten Raum.

Der Klangraum: Ein Moment zwischen den Welten

Dann betritt man den Klangraum – und plötzlich verändert sich alles.

„Global Sunrise“ ist mehr als eine Installation. Es ist ein Erlebnis, das sich langsam aufbaut.

Zunächst Stille. Dann ein einzelner Ton. Vogelgesang setzt ein, entfernt und doch nah. Ein tiefes Brüllen, kaum greifbar. Das Zirpen von Insekten.

Der Klang wandert durch den Raum, wird dichter, vielschichtiger. Es fühlt sich an wie ein Orchester – mit vielen Solisten, die zusammen ein großes Ganzes bilden.

Licht begleitet dieses Erwachen. Es flackert, wird stärker, deutet den Sonnenaufgang an.

Man steht mitten in diesem Moment – irgendwo zwischen Nacht und Tag, zwischen verschiedenen Kontinenten, zwischen Realität und Inszenierung.

Die Töne dieses magischen Tagesanbruchs hat Chris Watson, einer der führenden Spezialisten für Naturklangaufnahmen, eingefangen.

Erste Etage: Die große, verletzliche Welt

Oben wird der Blick weiter – und gleichzeitig intensiver.

Die Tropen und Regenwälder zeigen eine andere Dimension des Waldes. Die Motive sind eindringlich:
Fliegen auf dem Auge eines Krokodils. Ein Faultier, das scheinbar schwerelos am Baum hängt. Jaguare, die sich bedrohlich gegenüberstehen. Ein Lemur im Sprung. Gorillajunge, die Schutz bei ihrer Mutter suchen.

Die Fotografien von Sebastião Salgado geben dem Ganzen eine besondere Tiefe. Seine Bilder des Amazonas zeigen nicht nur Landschaften, sondern Lebensräume – und ihre Verletzlichkeit.

Gleichzeitig rückt der Mensch in den Fokus: indigene Gemeinschaften, die im Einklang mit der Natur leben.

Doch die Ausstellung verschweigt auch die Bedrohung nicht: abgeholzte Flächen, Maschinen, zerstörte Lebensräume.

Ein interaktives Exponat macht Veränderungen sichtbar, die man sonst nicht wahrnimmt. Plötzlich wird klar: Der Wald ist ein dynamisches System – und stark unter Druck.

Bedrohung und nachhaltige Lösungsansätze
Mit dem interaktiven Exponat „Der lebendige Wald“ macht Esri (Environmental Systems Research Institute) den Wandel der Wälder erfahrbar und zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie Erdbeobachtung und künstliche Intelligenz Veränderungen in den Wäldern sichtbar werden lässt.

Bernd Weissner, Chief Marketing Officer Esri Deutschland: „Wir machen die Veränderungen in der Natur sichtbar. Wir wollen das erkennbar machen, was dem menschlichen Auge verborgen bleibt.“

Der Höhepunkt: „Der Baum“

Dann öffnet sich der Raum – und man tritt in eine völlig neue Dimension ein.

„Der Baum“ ist nicht einfach eine Installation. Es ist ein Erlebnisraum, der wie schon bei der Vorgängerausstellung von Ars Electronica Solutions entworfen wurde.

Von einem künstlich gestalteten Wurzelwerk blickt man nach oben – 35 Meter in die Höhe. In eine Baumkrone, die sich aus Licht formt. Wurzeln, Stamm und Äste zeichnen sich als Geflecht aus leuchtenden LED-Lichtsträngen im Raum ab.

Die Inszenierung folgt über 15 Minuten den Jahreszeiten. Licht pulsiert, verändert sich, wird stärker, schwächer. Begleitet von Musik, komponiert von Rupert Huber, entsteht ein Rhythmus, der fast körperlich spürbar ist.

„Der Baum ist ein System, ein Lebewesen“, heißt es. Und genau so fühlt es sich an: als würde man sich in seinem Inneren befinden.

Nils Sparwasser, Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR), erklärt die Intention: „Wir wollen den Wald als Raum erlebbar machen. Bäume sind Lebewesen, sie wachsen, pflanzen sich fort, besitzen einen Hormonhaushalt. Sie wehren sich gegen Angriffe, geben Informationen weiter, kommunizieren.“

Ein Tag in der Neuen Mitte

Nach dem Ausstellungsbesuch lohnt es sich, den Tag weiterzuführen.

Rund um den Gasometer bietet die Neue Mitte zahlreiche Möglichkeiten: Das Westfield Centro mit seinen vielen Shops, die Promenade mit Restaurants oder ein Spaziergang an der Marina.

Hier lässt sich der Tag entspannt ausklingen – oder verlängern.

Westfield Centro
250 internationale Geschäfte, 120.000 Quadratmeter Verkaufsfläche und über 13.000 kostenlose Parkplätze: Das Westfield Centro in Oberhausen gilt als das größte Einkaufs- und Freizeitzentrum Europas.

SEALIFE Oberhausen
Wer nach dem Besuch des Gasometers von Meeresbewohnern noch nicht genug hat oder sie in echt sehen möchte, der wird im Sealife Oberhausen fündig. Neben Promenade und Marina geht es thematisch direkt passend weiter.

Centro-Promenade und Coca-Cola-Oase
Die 400 Meter lange Gastronomie-Promenade im Westfield Centro bietet 14 internationale Restaurants mit mediterraner, asiatischer oder alpiner Küche und tausende Außenplätze, dazu gemütliche Bars und Pubs für lange Abende. Die Coca-Cola-Oase ist mit über 20 Anbietern auf 7.500 m² und 1.300 Sitzplätzen einer der größten Food Courts Europas und ideal für eine schnelle Pause mit frisch zubereiteten Speisen.

Beschreibungsbild Kategorie Kultur

LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen
In einem ambitionierten, sich abwechselnden Ausstellungsprogramm präsentiert die LUDWIGGALERIE in den großzügigen Räumen der klassizistischen Schlossanlage unter vier Hauptfragestellungen Leihgaben aus aller Welt.

Beschreibungsbild Kategorie Freizeiterlebnisse

Topgolf Oberhausen
Topgolf in Oberhausen ist ein einzigartiges Unterhaltungszentrum in Deutschland, das Spiele, Technologie und Gastronomie auf 20.000 m² kombiniert und über 102 Spielbereiche auf drei Etagen bietet, in denen bis zu sechs Personen digitale Golfspiele wie "Angry Birds by Topgolf" spielen können – ganz ohne Vorkenntnisse oder eigene Ausrüstung.

Ein Tipp zum Abschluss: Die Aussicht genießen

Wer nach dem Rundgang noch etwas Extra erleben möchte, sollte unbedingt die Aussichtsplattform des Gasometers besuchen. Über den Aufzug geht es von der 3. Ausstellungsebene nach oben, während man schon auf der Fahrt die spektakuläre Installation „Der Baum“ aus einer ganz neuen Perspektive bewundern kann. Oben angekommen führen ein paar Stufen auf die Plattform, von der sich ein faszinierender Panoramablick über Oberhausen eröffnet – bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Landschaftspark Duisburg-Nord, zum Tetraeder und zur Halde Haniel. Ein perfekter Moment, um den Ausflug gebührend ausklingen zu lassen und die Stadt aus der Vogelperspektive zu erleben.

Fazit

„Mythos Wald“ ist keine Ausstellung, die man einfach anschaut.

Es ist eine, die man erlebt – und die einen verändert.

Sie ist ein sinnliches Erlebnis, ein Lernort und ein Denkanstoß zugleich.

Man verlässt den Gasometer anders, als man ihn betreten hat – mit einem neuen Blick auf das, was oft selbstverständlich wirkt.

Wer den Wald neu entdecken möchte, sollte sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen.

Gut zu wissen

  • Öffnungszeiten: Di–So und Feiertage 10–18 Uhr
  • Eintritt: ab 14 €, verschiedene Ermäßigungen und Familienkarten
  • Online-Tickets ermöglichen bevorzugten Einlass
  • Tickets sind nicht datumsgebunden

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Mehr Informationen
Gasometer Oberhausen
Marcel Sroka

Über den Autor

Marcel Sroka

Geschichtenerzähler, Faktenchecker, Ideengeber. Mit Leidenschaft für Oberhausen, Kleeblatt-Fan. "Lieber auffem Gasometer im Sturmesbrausen"

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